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9 €-Ticket erzeugt Mehrverkehr – Fast niemand fährt deshalb weniger Auto

9 €-Ticket erzeugt Mehrverkehr – Fast niemand fährt deshalb weniger Auto

Mit dem 9-Euro-Ticket durfte man den gesamten Nahverkehr in Deutschland nutzen. Bild(Bildlizenz/Fotograf/Grafiker): Jörg Schimmel/DSW21

Noch bis Ende August können alle Menschen bundesweit mit dem 9-Euro-Ticket den Nahverkehr nutzen. Doch die jetzt vorliegenden Datenauswertungen sorgen für Ernüchterung.

Das Dumping-Ticket führt demnach nicht zum erhofften Umstieg vom Auto auf den ÖPNV. Statt dessen nutzen die allermeisten Menschen jetzt offenbar beides: Sie fahren weiter nahezu wie vorher mit ihrem privaten Pkw und nutzen das Billigticket, um Fahrten zu unternehmen, auf die sie sonst ganz verzichtet hätten.

Dadurch wird umgekehrt zu den Erwartungen mehr Verkehr erzeugt und kaum verlagert. Das Ticket entpuppt sich aus Klimaaspekten sogar kontraproduktiv.

Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt der Interessenverband Agora Verkehrswende. 

„Es deutet sich an, dass wir hier keinen klaren Klimavorteil mit dieser Aktion haben.“

Diese Bewertung teilt der Bahnexperte an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW), Böttger.

„Das Ticket führt zu einer höheren Nutzung des öffentlichen Verkehrs, aber vor allem selektiv auf bestimmten Strecken – sogar so weit, dass dort der Verkehr zusammenbricht.“

Laut den Daten des Statistischen Bundesamtes stiegen die bundesweiten Bewegungen im Schienenverkehr im Juni 2022 im Vergleich zum Vorjahr um über 40 Prozent. 25 Prozent davon wurden durch das 9-Euro-Ticket ausgelöst.

Befragungen des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hatten zuletzt ergeben, dass rund ein Viertel der im ÖPNV angetretenen Fahrten ohne das Ticket nicht gemacht worden wären. Und erste Studienergebnisse aus Ballungsgebieten zeigen,

„… dass zwar 35 Prozent der Befragten seit der Einführung des Dumping-Tickets öfter Bus und Bahn fahren – aber gerade einmal 3 Prozent zugleich ihren Pkw weniger nutzten.“

Positiv schlussfolgert der Leiter einer Studie der TU München: „Viele haben die öffentlichen Verkehrsmittel in ihren Alltag integriert.“

Aber sie fahren deswegen eben nicht weniger Auto. 

Quellen: Agora / ZEIT.de / VDV

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