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„Tausende Intensivbetten während Pandemie abgebaut“: Angebliches Ganzke-Zitat ist von der AfD – und stimmt zudem nicht

„Tausende Intensivbetten während Pandemie abgebaut“:  Angebliches Ganzke-Zitat ist von der AfD – und stimmt zudem nicht

Screenshot der Fake-Behauptung auf Twitter.

Der Unnaer Landtagsabgeordnete Hartmut Ganzke (SPD) ist Opfer einer Fake-New geworden.

Vor Weihnachten wurde in sozialen Netzwerken ein Video verbreitet, das den Redeausschnitt eines Politikers zeigt. Behauptet wird, es handele sich um Hartmut Ganzke, Landtagsabgeordneter der SPD aus Unna-Massen.

Wer Ganzke kennt, kann eine gewisse Ähnlichkeit vielleicht erahnen. In den Mund gelegt wird ihm die Behauptung, während der Coronapandemie seien tausende Intensivbetten „abgebaut“ worden. Dafür wird er auf Twitter gelobt:

„Hartmut Ganzke von der SPD. Endlich mal ein Politiker, der Tacheles redet!“ 

Nun zeigt das Video klar erkennbar  eine Rede im Düsseldorfer Landtag, doch der Redner ist nicht Hartmut Ganzke von der SPD, sondern Markus Wagner, Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag. Ganzke stellte dies bereits auf Facebook klar, doch das Video unter seinem Namen kursiert weiter im Internet.

Hartmut Ganzke MdB SPD. (Foto Landtagsbüro Ganzke)

Wie das Recherche-Kollektiv correctiv klarstellt, stimmen auch die in Markus Wagners Rede behaupteten angeblichen Fakten zu abgebauten Intensivbetten nicht.

Besagte Originalrede veröffentlichte er selbst unter dem Titel „AfD rechnet ab! – Markus Wagner (AfD)“ am 1. Dezember auf seinem Youtube-Kanal. Dokumentiert ist sie außerdem im Protokoll der 154. Sitzung des Landtags NRW.

Seine Rede beginnt Wagner mit der Behauptung, während der Pandemie seien 10.000 Intensivbetten abgebaut worden, „allein in diesem Jahr, mitten in der Pandemie, schon wieder über 4000“. Etwas später fragt er: „Warum haben Sie die Kapazitäten der Intensivmedizin heruntergefahren, statt sie auszubauen?“

Wagner bezieht sich mit der Zahl 4.000 mutmaßlich auf ein Interview des Präsidenten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx. Dieser sagte im Oktober gegenüber dem MDR:

„Wir haben zwar in Anführungszeichen nur 1.600 Covid-19-Patienten, aber im Vergleich zu Anfang des Jahres haben wir 4.000 Intensivbetten weniger zur Verfügung, weil entsprechend der Belastung viele Pflegekräfte entweder ihren Beruf beendet haben oder ihre Arbeitszeit reduziert haben.“ 

Er sprach also nicht vom Abbau der Intensivbetten, sondern von Personalmangel.

Aufgrund dieses Personalmangels können viele Intensivbetten nicht betrieben werden. Ihre Zahl ist laut Statistischem Bundesamt von 1991 bis 2018 nicht gesunken, sondern um 36 Prozent gestiegen. Nicht jedoch die Zahl der Pflegekräfte.

„Correctiv“ fasst zusammen:

„Das Divi-Intensivregister wurde 2020 geschaffen und bildet die verfügbaren Behandlungskapazitäten von Krankenhäusern mit Intensivstationen während der Pandemie ab. Die „freien Intensivbetten“ sind die tatsächlich mit Personal ausgestatteten und somit „betreibbaren“ Intensivbetten.  Der Mangel an Pflegepersonal hat sich nach Einschätzung von Experten während der Pandemie weiter verschärft. Dieses Defizit hat der AfD-Politiker Wagner in seiner Rede ebenfalls angesprochen.“

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