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Boostern nach 4 Wochen vor allem für Immungeschwächte – „Bei vollem Tank ist es sinnlos, zu tanken“

Boostern nach 4 Wochen vor allem für Immungeschwächte – „Bei vollem Tank ist es sinnlos, zu tanken“

 

+++UPDATE, der strittige Erlass wurde gekippt+++

„Wer gesund ist, müsse sich nicht nach vier Wochen boostern lassen.“

Mit der Entscheidung des Landes NRW, die Drittimpfung mit Blick auf Menschen mit eingeschränktem Immunsystem bereits ab der vierten Woche nach einer Zweitimpfung zuzulassen (wir berichteten gestern), ist nun einer deutlich größeren Anzahl von Menschen der Zugang zur Booster-Impfung möglich als bisher. Das stellt die Kreisverwaltung Soest zu der – auch für Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) überraschenden – Neuerung der Landesregierung fest.

Der Kreis Soest zeigt sich zuversichtlich, für die unerwartete Entscheidung gewappnet zu sein. Mirko Hein von der koordinierenden Covid-Impfeinheit der Kreisverwaltung erklärt: „Das Zusammenspiel aus Ärzteschaft, mobilen Impfungen  und festen Impfangeboten in mehreren Kommunen im Kreis macht es möglich, viele Menschen in kurzer Zeit zu impfen. Jeder und jede Einzelne können mithelfen, indem die notwendigen Unterlagen bereits im Vorfeld lesen und ausgefüllt mitbringt.“

Gleichzeitig bittet Dr. Heinz Ebbinghaus als regionaler ärztlicher Leiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) um Besonnenheit:

„Auch, wenn ein dritte Impfung nach vier Wochen möglich ist, so ist sie nicht bei jedem Menschen notwendig oder sinnvoll. Wenn der Tank voll ist, macht es keinen Sinn, noch einmal zu tanken. Das macht nur Sinn, wenn der Tank halb leer ist.“

In erster Linie gehe es bei der verkürzten Frist um den Schutz derer, deren Immunsystem nicht oder nur schlecht arbeitet. „Wer gesund ist, müsse sich nicht nach vier Wochen boostern lassen.“

Tatsächlich heißt es in dem überraschenden Erlass an die Kreise und kreisfreien Städte, dass sich die Empfehlung, schon nach 4 Wochen zu „boostern“, an Personen mit schwer eingeschränktem Immunsystem und einer erwartbar stark verminderten Immunantwort richte. Damit setzte NRW eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) um.

Aber auch Menschen, bei denen die Grundimmunisierung weniger als fünf Monate zurückliege, dürften nicht abgewiesen werden, heißt es in dem Erlass – sofern ein Mindestabstand von vier Wochen erreicht ist. Bei dem vierwöchigen Mindestabstand handele es sich ausdrücklich nicht um eine Empfehlung, sondern lediglich um eine Untergrenze, stellte eine Sprecherin auf Nachfrage des WDR klar.

Die STIKO empfiehlt im Regelfall bisher einen Abstand von sechs Monaten. Angesichts der erwarteten schnellen Ausbreitung der Omikron-Variante haben zuletzt aber Fachleute wie der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Bernd Salzberger, auf eine Verkürzung des Abstands zwischen zweiter und dritter Impfung gedrängt.

Die Präsidentin der Immunologischen Gesellschaft, Christine Falk, hatte am Freitag in der „Aktuellen Stunde“ erklärt, schon eine zweite Auffrischung nach drei Monaten sei immunologisch „wenig sinnvoll“. Nach drei Monaten habe man immer noch ein hohes Niveau an Antikörpern im Blut. „Wenn Sie noch so hohe Spiegel haben, bringt der Booster nicht so viel“, so Falk. „Irgendwann erreicht das Immunsystem auch sein Maximum“.

Quellen: Kreisverwaltung Soest / WDR

 

 

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