Ein turbulentes Halloween-Wochenende in Lippstadt beschäftigt die Kriminalpolizei:
An einer Gesamtschule errichteten Jugendliche eine Barrikade aus Baustellenbarken und Leihfahrrädern. Wenige Stunden später kam es am Bahnhof zu einer Eskalation mit Steinen, Flaschen und einer Spielzeugpistole – mutmaßlich ausgelöst durch eine NS-Flagge.
Jugendliche errichten Barrikade an Gesamtschule
Bereits am Samstagabend (31. Oktober) riefen Anwohner gegen 20:42 Uhr die Polizei zur Gesamtschule an der Ulmenstraße.
Mehrere Jugendliche warfen dort Baustellenabsperrungen umher und versperrten die Fahrbahn sowie den Gehweg komplett mit Barken und beschädigten Leihfahrrädern.
Als die Streifenwagen eintrafen, standen etwa 30 Jugendliche direkt hinter der Barrikade, während zahlreiche Zuschauer die Szene mit ihren Smartphones filmten.
Die Gruppe flüchtete beim Erblicken der Polizei zu Fuß und auf E-Scootern. Den Beamten gelang es, zwei weibliche Jugendliche festzuhalten. Nach der Feststellung ihrer Personalien wurden sie ihren Erziehungsberechtigten übergeben.
Die Polizei vermutet, dass die Barrikade gezielt errichtet wurde, um das Durchkommen von Einsatzfahrzeugen zu verhindern. An den Leihfahrrädern entstanden durch das Umwerfen und Herausreißen von Rücklichtern Sachschäden.
Bereits im Vorfeld war es auf dem Schulhof mehrfach zu Einsätzen wegen böllernder Gruppen von 50 bis 60 Jugendlichen gekommen. Die Polizei ermittelt nun wegen Landfriedensbruchs und Sachbeschädigung.
Schlägerei am Bahnhof: Flagge löst Gewalt aus
Am frühen Sonntagmorgen (1. November) folgte der nächste Großeinsatz am Lippstädter Bahnhof an der Rixbecker Straße. Gegen 5:09 Uhr gerieten dort zwei Gruppen an Gleis 2 aneinander.
Auslöser der Auseinandersetzung war nach Zeugenaussagen eine Flagge mit Bezug zum Nationalsozialismus, die von einer Gruppe als Soldaten verkleideter Männer gezeigt worden sein soll.
Dies wurde von der anderen Gruppe als Provokation aufgefasst, woraufhin die Situation eskalierte.
Die Beteiligten bewarfen sich mit Flaschen und Steinen; zudem soll eine Dachlatte im Spiel gewesen sein. Die Polizei musste den Bahnverkehr umgehend sperren.
Ein 19-jähriger Mann aus Borchen, der als Soldat verkleidet war, schlug dabei mehrfach auf einen 17-jährigen Lippstädter ein – auch als dieser bereits am Boden lag. Zudem bedrohte er ihn mit einer roten Spielzeugpistole.
Der 17-Jährige flüchtete und wurde später mit Gesichtsverletzungen im Bereich der Schlehenstraße vom Rettungsdienst versorgt.
Blutprobe und Sicherstellung
Der 19-jährige Tatverdächtige aus Borchen wurde festgenommen und zur Polizeiwache gebracht, wo ihm eine Blutprobe entnommen wurde. Bei den Auseinandersetzungen erlitten mehrere Personen leichte Verletzungen an den Händen und Fingern.
Bei den Ermittlungen stellte die Polizei zudem bei einem der Beteiligten eine weiße Flagge mit rotem Kreuz sicher. Gegen den 19-Jährigen aus Borchen sowie weitere Beteiligte wird nun wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.
(Quelle: Kreispolizeibehörde Soest)
Hintergrund: Was hat es mit der Flagge auf sich?
Im Text werden zwei Flaggen erwähnt:
Die NS-Flagge: Zeugen sprachen von einer Flagge mit Bezug zum Nationalsozialismus (meist das Hakenkreuz-Symbol). Das Verwenden und Zeigen solcher Symbole in der Öffentlichkeit ist in Deutschland nach § 86a StGB strafbar und gilt im Alltag als massive rechtsextreme Provokation.
Die weiße Flagge mit rotem Kreuz: Dabei handelt es sich klassischerweise um das Georgskreuz (auch als Flagge Englands bekannt) oder das Schutzzeichen des Raten Kreuzes. Da der Tatverdächtige als Soldat verkleidet war, könnte diese Flagge Teil des Kostüms (z. B. als Sanitäter oder Ritter/Kreuzritter) gewesen sein.
Die Polizei prüft derzeit noch den genauen Zusammenhang mit dem Tatgeschehen.

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