HomeWirtschaft und HandwerkDeutschland

„Stehen hinter Wärmewende“, aber: Klimaneutrales Heizen bis 2045 aus Sicht der meisten Stadtwerke unerreichbar

„Stehen hinter Wärmewende“, aber: Klimaneutrales Heizen bis 2045 aus Sicht der meisten Stadtwerke unerreichbar

Drei von vier kommunalen Wärmeversorgern halten Klimaneutralität bis 2045 unter den aktuellen Bedingungen für unrealistisch:

Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) unter 757 Stadtwerken und kommunalen Energieversorgern. Der VKU fordert von der Politik Rechts- und Investitionssicherheit für den Umbau auf fossilfreies Heizen.

„Trotz der Bedenken beim Zeitplan stehen die kommunalen Unternehmen voll hinter der Wärmewende“, betont indes VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing:

„Die Wärmewende stärkt unsere Versorgungssicherheit, weil wir unabhängiger von fossilen Importen werden. Das schützt unseren Wirtschaftsstandort und Verbraucher vor steigenden Preisen auf den Gas- und Ölmärkten.“

Die Eckpunkte des Wärmepakets müssten jedoch zügig in ein Gesetz umgesetzt werden, das noch in diesem Jahr vom Bundestag verabschiedet werden müsse.

 Planungssicherheit ist Investitionsvoraussetzung

Entsprechend hoch ist der Wunsch nach Klarheit bei den politischen Rahmenbedingungen. 86 Prozent der Unternehmen nennen insbesondere die Wärmelieferverordnung, die Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) zur Transformation der Gasnetze sowie die geplante Novelle des Wärmeplanungsgesetzes als wichtige Voraussetzungen für weitere Investitionen.

Auch das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) sorgt aus Sicht vieler Stadtwerke bislang nicht für die erhoffte Planungssicherheit. 50 Prozent der Befragten sehen darin für die Wärmewende weder Fortschritt noch Rückschritt, weil wichtige Rechtsfragen ungeklärt blieben.

36 Prozent – mehr als jedes dritte Unternehmen – bewerten das Gesetz sogar als Rückschritt. Mit Blick auf die eigene Region sehen 40 Prozent negative Auswirkungen auf Investitionen infolge des Wegfalls der bisherigen 65-Prozent-Regel.

Laut Liebing können je nach den örtlichen Gegebenheiten Wärmepumpen, Wärmenetze, Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) oder klimaneutrale Gase die optimale Lösung sein.

„Wahlfreiheit bedeutet aber nicht, dass überall jede Lösung angeboten werden kann. Denn das würde bedeuten, überall auch alle Infrastrukturen dafür parallel vorzuhalten, was weder bezahlbar noch volkswirtschaftlich effizient wäre.

Entscheidend ist, dass Bürger, Kommunen und Stadtwerke verlässlich wissen, welche Technologie vor Ort langfristig möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist.“

Der VKU appelliert an die Bundestagsabgeordneten, die Wärmewende bei den Haushaltsberatungen entschlossen voranzubringen. „Vom Bundeswirtschaftsministerium erwarten wir einen Herbst der Entscheidungen mit konkreten Gesetzentwürfen, die Klarheit schaffen und Investitionen ermöglichen“, so Liebing.

 Wärmewende erhöht Investitionsdruck auf Stadtwerke

Die Umfrage macht den hohen Investitionsbedarf der Branche deutlich.

Jedes zweite Unternehmen erwartet, dass sich sein Investitionsvolumen bis 2030 gegenüber dem Jahr 2024 mehr als verdoppelt. Doch 56 Prozent der Unternehmen halten die bestehenden Finanzierungs- und Förderbedingungen für unzureichend.

Zudem bewerten 61 Prozent der Unternehmen die rechtlichen Rahmenbedingungen als unklar.

Wichtig ist aus Sicht der Befragten eine langfristige und zuverlässige Förderung: 72 Prozent wünschen sich stabile Förderprogramme wie die Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW), die Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) und das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG).

„Der Bund sollte den Ausbau der Wärmenetze langfristig unterstützen. Dafür sind jährlich rund 3,5 Milliarden Euro im Rahmen der Bundesförderung effiziente Wärmenetze erforderlich. Die Förderung sollte gesetzlich abgesichert werden“, sagt Liebing. Deshalb seien die geplanten Kürzungen im Bundeshaushalt bei künftigen Verpflichtungsermächtigungen kontraproduktiv, kritisierte er.

Zur Umfrage
Für die Wärme-Umfrage schrieb der VKU vom 3. August bis zum 1. September 2026 insgesamt 757 Stadtwerke und kommunale Energieversorger an. 225 Unternehmen beteiligten sich an der Befragung. Das entspricht einer Rücklaufquote von 29,7 Prozent.

 Fragen und Antworten (in der Presseinformation verwendete Zahlen gefettet)

  1. Bis 2045 will Deutschland klimaneutral heizen – Strom, Fernwärme oder grünen Gasen. Unter den aktuell geltenden Rahmenbedingungen ist das Ziel aus Ihrer Sicht:
  • Sehr realistisch: 0 Prozent
  • Realistisch: 7 Prozent
  • Neutral: 18 Prozent
  • Unrealistisch: 51 Prozent
  • Sehr unrealistisch: 24 Prozent

 Was braucht Deutschland, um auf dem Weg zum klimaneutralen Heizen 2045 schneller voranzukommen? (Mehrfachantworten möglich)

  • Verlässliche und stetige Förderung – z.B. BEW, BEG, KWKG: 72 Prozent
  • Mehr Kosteneffizienz: 29 Prozent
  • Klarheit bei den rechtlichen Rahmenbedingungen (Wärmelieferverordnung, EnWG-Novelle, große Novelle des Wärmeplanungsgesetzes, auskömmliche Regelung zur Finanzierung der Transformation der Gasverteilernetze zu H2): 86 Prozent

 Die Bundesregierung hat das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) reformiert. Das GModG ist insgesamt in Deutschland…

  • …ein Fortschritt für die Wärmewende (wg. Investitionssicherheit, Technologieoffenheit): 14 Prozent
  • …ein Rückschritt für die Wärmewende (wg. Wegfall der 65 Prozent-Regel bei grünen Gasen etc.): 36 Prozent
  • Keins von beidem, da für Investitionen noch zu viele rechtliche Fragen etc. offen sind: 50 Prozent
  1. Die Bundesregierung hat das GEG in das GModG reformiert. Das Gebäudemodernisierungsgesetz ist für die Wärmewende in Ihrem Versorgungsgebiet…
  • … ein Fortschritt wegen Investitionssicherheit (z.B. Technologieoffenheit gegenüber grünen Gasen): 15 Prozent
  • … ein Rückschritt wegen Investitionsunsicherheit (z.B. veränderte Nachfrage durch Wegfall 65 Prozent Regel): 40 Prozent
  • Keins von beidem, da für Investitionen noch zu viele rechtliche Fragen etc. offen sind: 44 Prozent
  1. Wie viel wird Ihr Unternehmen voraussichtlich bis zum Jahr 2030 in klimaneutrale Wärme investieren – im Vergleich zum aktuellen Investitionsvolumen?
  • Deutlich weniger als das Investitionsvolumen 2024 (weniger als 50 Prozent): 6 Prozent
  • Etwas weniger als das Investitionsvolumen von 2024 (10–50 % weniger): 4 Prozent
  • Etwa gleich wie 2024 (±10 %): 13 Prozent
  • Gleiches bis 1,5-faches des Volumens von 2024: 13 Prozent
  • 1,5-faches bis 2-faches des Volumens von 2024: 14 Prozent
  • Mehr als das 2-fache des Volumens von 2024: 50 Prozent
  1. Was sind die größten Hindernisse auf dem Weg zu klimaneutralem Heizen? (Mehrfachantworten möglich)
  • Kosten für Bürger und Wirtschaft zu hoch: 77 Prozent (2025: 82,4 Prozent)
  • Finanzierung unklar (z.B. KWKG-Umlage): 48 Prozent (2025: 46,6 Prozent)
  • Finanzierung nicht ausreichend (z.B. BEW-Förderung für Fernwärme): 56 Prozent (Umfrage 2025: 67,6 Prozent)
  • Rechtslage unklar (z.B. offene GEG-Novelle): 61 Prozent (2025: 54,7 Prozent)
  • Zu viel Bürokratie und langwierige Genehmigungsprozesse: 58 Prozent (2025: 58,1 Prozent)
  • Mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung (Eigentümer und Mieter): 55 Prozent (2025: 65,5 Prozent)

PM: VKU-Abteilung Kommunikation und Public Affairs

COMMENTS

WORDPRESS: 1
  • „Stehen hinter Wärmewende“ – Doch klimaneutrales Heizen bis 2045 aus Sicht der meisten Stadtwerke unerreichbar | Rundblick Unna 1 Tag ago

    […] Lesen Sie weiter auf Ausblick am Hellweg. […]