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„Mehr Transparenz“: Kreispolizei Unna nennt jetzt Täterherkünfte und Alter minderjähriger Verdächtiger

„Mehr Transparenz“: Kreispolizei Unna nennt jetzt Täterherkünfte und Alter minderjähriger Verdächtiger

Die Polizeiwache in Unna. (Foto Rinke)

„Der 35-jährige Deutsche aus Dortmund…“,  „… ein 26-jähriger Algerier“ oder „… trafen Einsatzkräfte einen 34-jähriger Deutsch-Marokkaner aus Holzwickede an“: In den Pressemitteilungen der Kreispolizei Unna fällt seit Wochenbeginn eine Neuerung auf.

Die Behörde unter Pressechef Bernd Pentrop und Landrat Mario Löhr (SPD) als Leiter der KPB nennt jetzt initiativ, also ungefragt, die Täterherkünfte.

Bisher gaben die Pressesprecher der Unnaer Kreispolizei Informationen über Nationalitäten möglicher Täter zwar stets auf Nachfrage von Medienvertretern heraus. Doch war dazu es eben erforderlich, „nachzufragen“, entweder in in schriftlicher oder telefonischer Form.

Während diese Auskunft „auf Nachfrage“ bezüglich der Täterherkünfte auch bei den meisten anderen Landes-Polizeipressestellen Usus ist (lediglich von der KPB Soest wurde sie oftmals verweigert), folgte die Unnaer Behörde bei jugendlichen Tatverdächtigen einer noch strikteren Linie: Von dieser Tätergruppe erfuhr die Öffentlichkeit bisher weder die Herkunft noch das Alter, auch nicht auf Nachfrage von Medienvertretern.

Diese Nichtnennung sogar des Alters (so rigide verfährt keine andere uns bekannte Polizeibehörde)  begründete die Pressestelle der KPB Unna gegenüber unserer Redaktion mehrmals mit dem besonderen Persönlichkeitsschutz Minderjähriger.

Doch bei vielen Bürgern und auch vielen unserer Leser stieß diese Art von „Täterschutz“ auf großes Unverständnis und Kritik, gerade wenn es sich um jugendliche Gewalt- und Intensivtäter handelte.

Überraschend hat sich die Unnaer Polizeipressestelle nun zu größerer Offenheit entschlossen. Sie nennt seit Montag, 5. September, in ihren auf dem öffentlichen Polizeiportal eingestellten Meldungen sowohl die Nationalitäten mutmaßlicher Täter als auch das Alter minderjähriger Verdächtiger. Mit dieser Transparenz zählt die KPB Unna aktuell zum kleineren Teil der Landespolizeibehörden.

Völlig anders verfährt seit jeher die Bundespolizei. Diese führt auf ihrem Portal sowohl das Alter, den Wohnort als auch die Nationalität sämtlicher Beteiligter auf – der Täter/Tatverdächtigen, der Opfer und auch der Zeugen. 

So weit geht die Unnaer Behörde nicht. Doch mit der nun ungefragten Nennung der Täterherkünfte wolle man auch in den eigenen Pressemitteilungen „mehr Transparenz“ bieten, begründete der Unnaer Polizeisprecher Christian Stein die neue Linie heute auf Nachfrage unserer Redaktion.

Maßgeblich ist für polizeiliche Pressearbeit der Runderlass des NRW-Innenministeriums vom 15. 11. 2011. Nach diesem sind initiative Herkunftsnennungen von „Minderheiten“  gestattet, „… wenn sie für das Verständnis eines Sachverhalts oder für die Herstellung eines sachlichen Bezugs zwingend erforderlich ist“.

Diese Formulierung lässt nun zugegebenermaßen viel Interpretationsspielräume zu. Der jeweilige Pressemitteilungsverfasser muss stets im Einzelfall und gezwungenermaßen subjektiv entscheiden, ob es für das Verständnis des Bürgers „zwingend erforderlich ist“ zu wissen, ob ein Täter oder Tatverdächtiger Deutscher, Chinese, Marokkaner o. a. ist.

Den nun gewählten Weg, die Herkunft generell zu nennen, habe man sich „von höchster Stelle“ absichern lassen, bemerkt Stein.

„Wir werden die Reaktionen der Leute beobachten und sicherlich auch unsere Schlüsse ziehen.“

Ein erstes direktes Feedback bekam die KPB Unna gleich zum Start ihrer neuen Transparenz auf ihrer eigenen Facebookseite: Dort berichtete sie über einen kriminellen „Antänzer“ und sexuellen Belästiger auf dem Stadtfest und fügte hinzu, dass der (inzwischen inhaftierte) Verdächtige Algerier sei. Dies wurde von Foristen mit sofortigem Lob quittiert.

Jedoch, so unterstreicht der Unnaer Polizeisprecher:

„Es bleibt jedem Medium freigestellt, welche Informationen es aus dem Angebot unserer Pressemitteilungen übernimmt – und auf welche es verzichtet.“

  • Unsere Redaktionsteams von Ausblick am Hellweg, Rundblick Unna und MeinSchwerte begrüßen diese neue Transparenz der Kreispolizei Unna. Sie entspricht den Grundsätzen, nach denen auch wir bereits seit vielen Jahren unsere Berichterstattung über Kriminalität ausrichten. 
  • Die Gründe dafür haben wir in diesem Artikel zusammengefasst: „Warum wir Ross und Reiter nennen“

 

 

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