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Letzte rote Trutzburg im Norden – Viel Grün im Süden – CDU viermal vorn – Wahlbeteiligung desolat: So wählte der Kreis Unna

Letzte rote Trutzburg im Norden – Viel Grün im Süden – CDU viermal vorn – Wahlbeteiligung desolat: So wählte der Kreis Unna

Ortsschild des Kreises Unna - Foto Rinke

Die Landtagswahl am Sonntag, 15. Mai, hat ebenso wie NRW-weit auch im Kreis Unna überraschende Ergebnisse gezeitigt. Die Wahlbeteiligung – das größte Negativmoment – war erschreckend niedrig. Von den rund 300.000 Wahlberechtigten im Kreis Unna (ohne Hamm) machten nur 53,2 Prozent von ihrem Stimmrecht Gebrauch – noch weniger als NRW-weit (55,5 Prozent). Gegenüber der Wahl 2017 nahmen über 10 Prozent weniger Wahlberechtigte im Kreis ihr demokratisches Recht wahr (2017: 64,9 Prozent).

Die Ergebnisse:

Ebenso wie landesweit fuhren die Grünen im Kreis Unna Rekordwerte ein, während die SPD-Werte einbrachen und die CDU nahezu auf Augenhöhe aufschloss – in vier Kommunen übertraf das Ergebnis der Christdemokraten sogar das der Sozialdemokraten deutlich.

Großer Verlierer des Wahlabends war auch im Kreis Unna die FDP, deren heimische Abgeordnete Susanne Schneider aus Schwerte ihren Wiedereinzug in den Landtag denkbar knapp verpasste: Mit mageren etwas über 5 Prozent „zogen“ auf der Liste der Liberalen nur noch die Plätze 1 bis 12 – auf Platz 13 war Schneider gesetzt, die in der abgelaufenen Legislatur landespolitische Sprecherin ihrer Fraktion für Gesundheit war.

Hingegen behauptete sich der in Unna-Massen wohnende SPD-Abgeordnete Hartmut Ganzke in seinem Wahlkreis klar und holte bei den Erststimmen ein deutlich besseres Ergebnis als seine Partei bei den Zweitstimmen im Kreis.

Kreisdirektor Mike Janke gratuliert Hartmut Ganzke (SPD, li.) am Wahlabend im Kreishaus zum Wiedereinzug in den Landtag NRW. (Foto Kreis Unna)

Von der einstigen „Hochburg der Sozialdemokratie“ hat sich der Kreis Unna bei dieser Landtagswahl noch weiter entfernt:

Nur noch in Bergkamen schafften die Genossen bei den Zweitstimmen über 40 Prozent, in vier Kommunen ist die  CDU diesmal (deutlich) stärker, und kreisweit hat die SPD nur noch einen Hauch Vorsprung vor den Christdemokraten.

 

Kreisstadt Unna: Heimspiel für Ganzke – CDU und SPD fast gleichauf – FDP noch hinter der AfD

Unna ist zusammen mit Schwerte die Hochburg der Grünen – diese übertreffen in der Kreis- und in der Ruhrstadt sogar noch ihr sensationelles landesweites Ergebnis.

Der Massener Hartmut Ganzke hatte hier ein Heimspiel: Für ihn entschieden sich 6 Prozent mehr Wähler als für seine Partei, was auf eine klare Persönlichkeitswahl schließen lässt. Bei den Direktkandiaten von CDU und Grünen war es umgekehrt, sie schneiden schlechter ab als ihre Partei.

Was nebenbei noch ins Auge fällt: Bei den Zweistimmen rangiert die FDP in Unna noch hinter der AfD, obgleich Erstere im Stadtrat ist, Letztere nicht.

Stadt Schwerte: So grün wie keine andere

In der Ruhrstadt hätten die Grünen fast 19 Prozent geschafft: Schwerte ist bei den Erst- wie Zweitstimmen  Hochburg der Grünen bei dieser Landtagswahl.

Die SPD landet einen Hauch vor der CDU, die Liberale Susanne Schneider kann zwar bei den Erststimmen einen leichten Heimbonus verbuchen, doch ihre Partei generell überzeugt auch in der Heimatstadt der FDP-Abgeordneten nur etwas mehr als 5 Prozent der Wähler – noch weniger als landesweit.

Schneider wird im neuen Landtag nicht wieder vertreten sein, mit Listenplatz 13 reichte es bei 12 Mandaten knapp nicht mehr für sie.

Stadt Fröndenberg: Viel CDU und ein knappes Ding für Ganzke

Die CDU fast 7 Prozentpunkte vor der SPD und der junge CDU-Direktkandidaten nur 2 Prozentpunkte hinter „Platzhirsch“ Ganzke: Mit diesem Wahlergebnis präsentiert sich die „Stadt mit Aussicht“ mit ihrer sozialdemokratischen Bürgermeisterin als eine der Hochburgen der CDU im Kreis Unna.

FDP und AfD landen wie NRW-weit praktisch gleichauf, die Grünen erzielen in der Kleinstadt an der Ruhr mit über 16 Prozent Zweitstimmen ebenfalls ein sehr gutes Ergebnis.

Gemeinde Holzwickede: Noch mehr CDU und ein hauchdünnes Ding für Ganzke

In der Emschergemeinde konnte die CDU an diesem Wahlabend besonders laut jubeln, sie übertrifft bei den Zweistimmen die Genossen deutlich und verfehlt bei den Erststimmen den ersten Platz nur um Haaresbreite.

Marcal Zilian, der junge CDU-Direktkandidat aus Opherdicke, schafft in der direkten Konkurrenz zu Hartmut Ganzke fast eine kleine Sensation (siehe Balken).

 

Stadt Kamen: Noch ist der rote Balken höher als der schwarze

In Kamen, so galt jahrzehntelang die etwas boshafte eherne Regel, könnte man theoretisch auch einen rot lackierten Besenstiel zur Wahl aufstellen, und auch er würde gewählt. Gemeint war damit die scheinbar unverrückbare Treue des mehrheitlichen Kamener Wahlvolks zur SPD – bei dieser Landtagswahl, die der Sozialdemokratie in NRW das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte bescherte, platzte der rote Lack am sinnbildlichen Besenstiel auch in Kamen sichtlich.

Über 40 Prozent gibt es für die Genossen in der Sekestadt nur noch bei den Erststimmen, bei den Zweistimmen endete es bei 38 Prozent. Gemessen am Kreis- und vor allem Landesergebnis ist das gleichwohl immer noch ein deutlich überdurchschnittliches Resultat.

 

Stadt Bergkamen: Die letzte rote Hochburg, am wenigsten Grün und am meisten AfD

In Bergkamen erzielen die Genossen bei den Erst- wie Zweistimmen über 40 Prozent und leuchten damit als letzte rote Hochburg im Kreis.

Zugleich bekommt in keiner anderen Kommune „Grün“ so wenig Zuspruch (um die 12 % bei Erst- wie Zweistimmen) und die AfD gleichzeitig so viel (über 8 Prozent für Direktkandidat Ulrich Lehmann aus Kamen und knapp unter 8 Prozent Zweistimmen für die AfD).

 

Stadt Lünen: Durchmarsch für Schmeltzer – kein Ministerinnen-Bonus für Scharrenbach

Die größte Stadt im Kreis beschert ihrem langjährigen SPD-Abgeordneten Rainer Schmeltzer das erwartbar gute Erstimmenergebnis. Ina Scharrenbach (CDU) aus Kamen kann hingegen in Lünen aus ihrem NRW-Ministerinnenstatus keinen Profit schlagen.

Bei den Zweistimmen liegen SPD und CDU näher zusammen, doch immer noch mit einem deutliche Vorsprung der SPD.

 

Stadt  Werne: Ü40 für Scharrenbach, Ü41 für die CDU, FDP und AfD U5

In der Kleinstadt an der Lippe kann die CDU bei dieser Landtagswahl sowohl bei den Erst- als auch den Zweistimmen am lautesten jubeln. Landesministerin Ina Scharrenbach aus der Nachbarstadt Kamen lässt den SPD-Mitbewerber Rainer Schmeltzer um fast 10 Prozentpunkte hinter sich, und Scharrenbachs Partei verweist die Genossen mit über 41 Prozent überdeutlich auf den zweiten Platz.

Und: Die FDP wie die AfD bleiben bei Erst- und auch Zweistimmen in Werne unter 5 Prozent.

 

Gemeinde Bönen: SPD deutlich vor CDU, AfD über 7 Prozent

In der zweikleinsten Kommune im Kreis sind wie überall im Nordkreis die Sympathien für die Sozialdemokratie noch am deutlichsten ausgeprägt. Am klarsten zeigt sich das an dem Erststimmenergebnis – kein Rankommen an Gosewinkel (SPD).

Die AfD erzielt in Bönen ihr zweitbestes Ergebnis kreisweit, die CDU bleibt unter 30 Prozent. Auch die Grünen landen in Bönen um gut 5 Prozentpunkte unter ihrem NRW-Ergebnis.

Stadt Selm: Die CDU kann doppelt punkten

Die Wähler in der nördlichsten Stadt des Kreises sorgen bei den Zweistimmen für ähnlich klare Verhältnisse wie in Werne, die CDU lässt hier mit über 37 Prozent die SPD nicht an sich heran (29 Prozent). Rainer Schmeltzer  schneidet auch in Selm deutlich besser ab als seine Partei, auch hier hat also mancher Wähler sein Kreuz nach persönlicher Sympathie gesetzt.

Über NRW-Schnitt landet in Selm die AfD, unter dem NRW-Ergebnis finden sich die Grünen wieder.

Quelle: Kreis Unna.de

 

 

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