HomePolizeiberichtDortmund

„Regelwidriges Gruppenverhalten“ neuer Schwerpunkt der NRW-Polizei – Gruppen wurden analysiert

„Regelwidriges Gruppenverhalten“ neuer Schwerpunkt der NRW-Polizei – Gruppen wurden analysiert

„Wir haben einige 100 teils mit Messern und Schlagwerkzeugen bewaffnete junge MĂ€nner festgestellt, die sich in kurzer Zeit unter die bis dahin friedlich Feiernden gemischt haben und gezielt auf Gewalt aus waren. Nur mit einem massiven Polizeiaufgebot konnte eine Eskalation verhindert werden.“

Die Feststellung vom vergangenen Sommer am Aasee in MĂŒnster war keine Einzelbeobachtung. Und deshalb wird „regelwidriges Gruppenverhalten“ ein neuer strategischer Schwerpunkt der nordrhein-westfĂ€lischen Polizei. Das hat Innenminister Herbert Reul am Donnerstag, 14. 4., auf einer Pressekonferenz bekannt gegeben.

Der Minister legte dafĂŒr einen neuen polizeilichen Handlungsrahmen vor.

„HĂ€ufig tummeln sich die Krawallmacher auf Feiermeilen oder in Parks, wo sie Alkohol und Drogen konsumieren und dann gezielt Stress suchen.  Diese wachsende Gewaltbereitschaft nehmen wir sehr ernst.“

In den vergangenen zwei Jahren war es in zahlreichen NRW-StÀdten und insbesondere an Wochenenden und Feiertagen wiederholt zu PolizeieinsÀtzen gekommen. Aktuell verstÀrkt die Polizei in Dortmund ihre PrÀsenz auf der Osterkirmes, weil binnen 24 Stunden zweimal jugendliche Gruppen mit Messern bewaffnet aufeinanderprallten. Es gab 5 Verletzte. HIER berichteten wir.

AuffĂ€llig waren auch die Ausschreitungen im Juni 2021 am Aasee in MĂŒnster. Hier bewarfen junge Menschen die EinsatzkrĂ€fte mit Flaschen und leisteten Widerstand, als die Polizei das GelĂ€nde rĂ€umte.

„Wir haben einige 100 teilweise mit Messern und Schlagwerkzeugen bewaffnete junge MĂ€nner festgestellt, die sich in kurzer Zeit unter die bis dahin friedlich Feiernden gemischt haben und gezielt auf Gewalt aus waren. Nur mit einem massiven Polizeiaufgebot konnte eine Eskalation verhindert werden“, so der Leitende MĂŒnsteraner Polizeidirektor Martin Fischer. „Diese Erfahrung hat uns gezeigt, dass wir gewaltbereite Gruppen von Anfang an fernhalten mĂŒssen, um alle friedlichen GĂ€ste und die Anwohnerschaft zu schĂŒtzen. Den meisten Erfolg verspricht dabei eine enge Abstimmung von polizeilichen und kommunalen Maßnahmen, um es Störern möglichst ungemĂŒtlich zu machen.“

Um dem Problem zu begegnen, hat die Polizei die Gruppen zunÀchst analysiert. Sie stellte fest:

„Es handelt sich meist um mĂ€nnliche Jugendliche und MĂ€nner unter 30 Jahren – mit und ohne Migrationshintergrund. Oft kommt es zu verbalen oder körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den Feiernden, nicht selten werden EinsatzkrĂ€fte attackiert; manchmal auch unter Einsatz von Messern oder anderen Waffen.“

Zuletzt wurden an den Karnevalstagen in der DĂŒsseldorfer Altstadt vier junge MĂ€nner niedergestochen und teils lebensgefĂ€hrlich verletzt.

Reul fĂŒhrt weiter aus:

„Bei Messer-Attacken lag der Anteil nichtdeutscher TatverdĂ€chtiger 2021 bei 42,6 Prozent; deutlich ĂŒberproportional.“

Auch bei Treffen der Tuner- und Raser-Szene komme es des Öfteren zu großen Menschenansammlungen.

Problemfeld Fußball

Ein weiteres Beispiel fĂŒr gewaltbereite und gewaltsuchende Gruppen sind Hooligans. Der Minister erklĂ€rt dazu: Vor, wĂ€hrend und nach Fußballspielen seien Ausschreitungen keine Seltenheit.

„Besonders akut und besorgniserregend ist die kriminelle Entwicklung bei mĂ€nnlichen Jugendlichen und jungen MĂ€nnern, die zum Feiern und Randalieren in die InnenstĂ€dte kommen. Dieses relativ neue PhĂ€nomen des regelwidrigen Gruppenverhaltens werden wir mit Hilfe des Handlungsrahmens gezielt bekĂ€mpfen. Wir setzen hier einen neuen strategischen Schwerpunkt.“

Um die Sicherheit im öffentlichen Raum zu erhöhen, soll es einen proaktiven, vernetzten, nachhaltigen, repressiven und prĂ€ventiven Maßnahmen-Mix geben. Unter anderem soll die Polizei stĂ€rker mit anderen Behörden zusammenarbeiten:

  • So wird es mehr Austausch mit JugendĂ€mtern sowie Streetworkern geben;
  • auch soll der Bezirksdienst öfter einbezogen werden, etwa bei der Bewertung der Lage in ihrem Quartier.
  • Bereits Ende vergangenen Jahres wurden in verschiedenen GroßstĂ€dten und Großstadtbahnhöfen (u. a. Dortmund) Waffenverbotszonen eingerichtet. In diesen Zonen kann die Polizei Personen ohne konkreten Verdacht durchsuchen und Waffen und Messer mit einer feststehenden oder feststellbaren KlingenlĂ€nge von mehr als vier Zentimetern beschlagnahmen.
  • Des Weiteren sollen unter anderem Platzverweise,
  • verstĂ€rkte Videobeobachtung und
  • Beleuchtungskonzepte kriminellem Verhalten vorbeugen.

Kontrollen sollen direktionsĂŒbergreifend geplant und durchgefĂŒhrt werden etwa im Bereich der strategischen Fahndung; heißt: Wenn die Polizei Personen anhĂ€lt, befragt, ihre IdentitĂ€t feststellt und sie durchsucht, stimmen sich die Polizisten vor Ort noch intensiver als bislang mit anderen Direktionen und Behörden ab. Auch sollen insgesamt mehr PolizeikrĂ€fte eingesetzt werden, um auf gewaltbereite Gruppen reagieren zu können. Je nach Anlass können beispielsweise KrĂ€fte der Bereitschaftspolizei zur UnterstĂŒtzung hinzugezogen werden.

WiederholungstĂ€ter will die Polizei mittels IntensivtĂ€terkonzepten gezielt ins Visier nehmen: Da MehrfachtĂ€ter ĂŒberproportional viele Straf- und Gewalttaten begehen, sollen tĂ€terbezogene Informationen bei einer spezialisierten Dienststelle gebĂŒndelt werden.

„All diese Maßnahmen sollen helfen, die Straßen, PlĂ€tze und Parks wieder sicherer zu machen. Wir mĂŒssen dringend verhindern, dass fĂŒr Anwohner AngstrĂ€ume entstehen. Die jungen Leute meinen, sie sind innerhalb ihrer Gruppe total anonym und können deshalb nicht fĂŒr ihre Taten belangt werden. Deshalb mĂŒssen wir konsequent gegen gewaltbereite und kriminelle Gruppen vorgehen, PrĂ€senz zeigen und insbesondere prĂ€ventive Maßnahmen anwenden, damit es am besten gar nicht erst zu Straftaten kommt“, sagte Reul.

Quelle: Land NRW

Kommentare

WORDPRESS: 1