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Großeinsatz gegen Clankriminalität: Unnaer kritisiert „grenzwertiges“ Vorgehen der Polizei

Großeinsatz gegen Clankriminalität: Unnaer kritisiert „grenzwertiges“ Vorgehen der Polizei

Symbolfoto / A. Reichert

Der Großeinsatz gegen Clankrimimalität in der Nacht zu Samstag „in bestimmten Städten im Kreis Unna“ (die Presse wurde für Nachfragen auf Montag verwiesen – Bericht HIER) fand unter anderem in einer Shisha-Bar in Unna statt.

In dem Lokal geriet ein 28-jähriger Unnaer am Freitagabend gegen 21.45 Uhr zusammen mit einigen Bekannten in eine Kontrolle, die er uns heute bei einem Telefongespräch im Rückblick als „absolut das Allerletzte“, „total ätzend“ und „ekelhaft“ beschreibt.

Das Gebahren  eingesetzter Polizeibeamter sei von Herablassung und äußerster Unfreundlichkeit geprägt gewesen. Über eine Stunde lang seien die Personalausweise einbehalten worden, niemand durfte während dieser Zeit den Raum verlassen, selbst nicht, als eine junge Frau mit psychischen Beeinträchtigungen akute Probleme bekam.

„Das war von Anfang bis Ende ein absolut unangenehmer und aus meiner Sicht grenzwertiger Umgang mit den Leuten“,

sagt der 28-Jährige deutlich.

Wie er uns am Sonntagnachmittag rückblickend schilderte, saßen er und seine Bekannten gegen 21.45 Uhr  an einem Tisch zusammen. Plötzlich „war da überall Polizei“. Verstärkt durch Zoll und Mitarbeiter des Unnaer Ordnungsamtes hätten sich die Beamten im Raum postiert und auf äußerst unfreundliche Weise deutlich gemacht: Niemand verlässt mehr den Raum.

„Es kam dann eine ,sehr nette´- ironisch gemeint – Polizistin an unseren Tisch und forderte: ,Ausweise raus.´ Vielleicht hat sie noch ,bitte´ gesagt“, berichtet der Unnaer. „Wir mussten jedenfalls alle sofort unsere Ausweise herausholen und abgeben.“

Ein Grund wurde nicht genannt, Nachfragen wurden nicht beantwortet. Einigen seien die Ausweise einfach aus der Hand genommen worden. “

Die Polizistin hatte dann alle Ausweise zusammen in der Hand, das fand ich aus Infektionsschutzgründen mindestens fragwürdig“, schildert der kontrollierte Unnaer, was ihm nebenbei auffiel, denn: „Ich weiß nicht und glaube auch nicht, dass jeder Ausweis vor der Rückgabe desinfiziert wurde.“

Mit dieser Rückgabe dauerte es dann eine Dreiviertelstunde, erzählt der 28-Jährige. „Während dieser ganzen Zeit durfte niemand seinen Platz verlassen. Selbst nicht, als eine Bekannte, die wir dabei hatten – die zu Panikattacken neigt – immer größere Probleme bekam mit dieser Situation. Ich sah das in ihrem Gesicht deutlich. Deshalb bat ich meinen Ausweis zurück, um mit ihr an die frische Luft gehen zu können.“

Doch weder durch den deutlich geäußerten Hinweis auf die psychische Befindlichkeit der jungen Frau noch durch den noch eindringlichere Warnung, dass man dann möglicherweise noch den Notarzt holen müsse, ließen sich die Einsatzkräfte, die die Shisha-Bar bewachten, erweichen, berichtet der Leser. „Ich kriegte nur zu hören: Hier geht jetzt niemand raus.“ Keine Diskussion war möglich.

Zusammen wirkten die Begleiter der psychisch belasteten jungen Frau auf sie ein, sich zu beruhigen. Das gelang. „Zum Glück“, betont der 28-Jährige.

Während der fast einstündigen Kontrolle selbst seien noch „einzelne Gäste öffentlich bloßgestellt worden“, schildert der Unnaer, für ihn persönlich war der vielleicht ärgste Moment final mit der Rückgabe der Personalausweise erreicht: „Jeder Besucher wurde laut mit seinem Nachnamen aufgerufen, so dass es jeder im Raum hören konnte. Das fand ich mehr als grenzwertig. Es wirft bei mir die Frage nach dem Datenschutz auf.“

Die schlussendliche Bewertung dieser abendlichen Großkontrolle in Königsborn fällt für den 28-jährigen eindeutig aus: „So mit Leuten umzugehen, die mit der Sache selbst überhaupt nichts zu tun haben – liebe Polizei: Das geht absolut überhaupt nicht.“

Nachfrage zu diesem Sachverhalt werden wir ab Montag stellen, wenn – gemäß Polizeimitteilung vom Großeinsatz  – Nachfragen beantwortet werden.

UPDATE 22. 11. – hier die Antwort auf unsere Anfragen bei der Pressestelle der Kreispolizei Unna.

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