Der Evangelische Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg steht vor einer dramatischen Entwicklung.
Die Zahl der Pfarrstellen wird bis 2031 im gesamten Kirchenkreis auf insgesamt 11 sinken, weil eine Reihe von Pfarrpersonen in den Ruhestand gehen und in den vergangenen Jahren Pfarrerinnen und Pfarrer den Kirchenkreis verlassen haben.
„Wir werden bis 2031 einen Abbau des pfarramtlichen Personals um 75 Prozent erleben“,
stellte Martin Pogorzelski, Vorsitzender des Struktur- und Perspektivausschusses, bei der Sommersynode des Kirchenkreises in Meinerzhagen fest.
Der Ausschuss war von einer der vorausgegangenen Synode beauftragt worden, die Entwicklung zu analysieren und Wege zu finden, mit denen unter diesen Extrembedingungen die Versorgung und Seelsorge im Kirchenkreis aufrechterhalten werden kann.
Die Schlussfolgerung Pogorzelskis, der selbst 2028 aus dem Pfarrdienst ausscheidet: „Wir stehen vor enormen Herausforderungen, was die Zusammenarbeit in den Gemeinden und Kooperationsräumen betrifft.“
Klar sei, dass die Interprofessionellen Pastoralteams (IPT) gestärkt werden müssten. Dabei geht es um die Zusammenarbeit von Pfarrpersonen mit Gemeindepädagogen bzw. Diakonenn. Sie soll die Handlungsfähigkeit der Gemeinden und Kooperationsräume sicherstellen.
„Schon die Besetzung möglicher Stellen ist eine Herausforderung“, sagte Pogorzelski. Angesichts der dramatischen Personalentwicklung sei schnelles Handeln erforderlich. „Die Zeit bis 2031 ist begrenzt.“ Bis dahin gilt als Personalschlüssel eine Pfarrstelle für 4000 Gemeindeglieder. Danach soll auf Beschluss der Ev. Kirche von Westfalen eine Pfarrstelle auf dann 5000 Gemeindeglieder kommen.
Wie unter solchen Bedingungen ausreichende kirchliche und gemeindliche Angebote sichergestellt werden können, fragte Steffen Pogorzelski, einer der jüngeren Pfarrer im Kirchenkreis, während der Synode. Er wisse ebenso wie viele Kolleginnen und Kollegen nicht, was werden solle. „Entweder leidet die gemeindliche Arbeit oder unsere klassischen Aufgaben kommen zu kurz“, sagte er. Steffen Pogorzelski äußerte auch die Befürchtung, dass sich Pfarrpersonen umorientieren könnten.
Kirchenkreis erhält Kinder- und Jugendvertretung
Kinder und Jugendliche sollen im Kirchenkreis stärker mitreden können. Der Jugendausschuss bereitet deshalb die Gründung einer Kinder- und Jugendvertretung vor.
Das neue Gremium soll im Februar 2027 ins Leben gerufen werden. Zwei Drittel der Mitglieder werden jünger als 27 Jahre sein. Am 16. Juli sind alle, die sich für das Thema interessieren, zu einem weiteren Vorbereitungstreffen eingeladen. Wer in der Kinder- und Jugendvertretung mitarbeiten möchte, kann sich schon jetzt bei Johannes Seidel, Leiter des Kinder- und Jugendreferates des Kirchenkreises, melden.
Grundsätzlich soll die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auf christlichen Grundwerten wie Respekt, Demokratie, Inklusion, Diversität, Sicherheit, Schutz, Freiheit, Offenheit, Lernkultur und Verantwortung für die Schöpfung basieren und die offene Auseinandersetzung mit Glauben, Zweifeln und Perspektiven fördern. Hoher Wert wird auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen gelegt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen entsprechend geschult werden.
„Schutzkonzepte gehören nicht in die Schubladen, sondern in die Köpfe“.
Pfarrer i. R. Matthias Schwarz machte als Gast der Sommersynode deutlich, dass aus seiner Sicht der Kampf gegen sexuelle Gewalt in der Kirche stärker verankert werden müsse. Schwarz ist Betroffenenvertreter in der Fachstelle Sexualisierte Gewalt der Ev. Kirche in Hessen und Nassau. Er selbst erlitt als Kind sexuelle Übergriffe und sagt: „Ich kann dem Täter nie vergeben.“ Eindringlich appellierte er an die Synodalen, die Berichte Betroffener ernst zu nehmen. Bei der Aufarbeitung von Fällen sexueller Gewalt könne die Kirche nur lernen. Seine These: „Jeder, der Täter schützt, schädigt die Kirche.“
Quelle Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg





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