Das Problem heißt Fast Fashion – Wegwerfkleidung.
Auf Einladung von Humanitas Hamm e.V. besuchte der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Thews den Verein, nachdem er ihn an Weihnachten mit einer Spende unterstützt hatte. Der persönliche Austausch stand im Zeichen eines drängenden Themas:
Die wachsende Flut an Fast Fashion und sogenannter Ultra-Fast Fashion.
Im Gespräch mit den Verantwortlichen und Ehrenamtlichen wurde deutlich, wie stark sich die Qualität gespendeter Kleidung in den vergangenen Jahren verändert hat.
Während früher gut erhaltene Textilien weitergegeben oder verwertet werden konnten, sind mittlerweile rund 30 Prozent der Kleiderspenden unmittelbar nicht mehr nutzbar und müssen entsorgt werden.
Ein zentrales Problem: Die extrem preiswerte und kurzlebige Mode führt dazu, dass viele Kleidungsstücke bereits nach kurzer Nutzung qualitativ nicht mehr verwertbar sind. Was früher noch recycelt oder weiterverkauft werden konnte, landet nun häufig direkt im Abfall.
Recyclingunternehmen, die früher Textilien abnahmen und sogar etwa 11 Cent pro Kilogramm zahlten, erzielen auf dem Markt kaum noch wirtschaftlich tragfähige Erlöse. Nicht verwertbare Ware wird daher zunehmend der Müllverbrennungsanlage zugeführt.
„Zusätzlich erschwert ein verbreitetes Gerücht die Situation“, betont Thews.
„Immer wieder heißt es, Textilien dürften grundsätzlich nicht im Hausmüll entsorgt werden. Das führt dazu, dass auch stark verschmutzte oder beschädigte Kleidung gespendet wird, obwohl sie nicht mehr verwendbar ist. Für Humanitas bedeutet das zusätzlichen Sortieraufwand und steigende Entsorgungskosten.
Natürlich sollen tragbare Textilien gespendet werden.
Aber was verschmutzt, zerrissen oder hygienisch problematisch ist, gehört nicht in die Spende, sondern in den Hausmüll. Wenn Ehrenamtliche erst Müll aussortieren müssen, bindet das Zeit und verursacht zusätzliche Kosten.“
Dabei ist das Engagement im Verein beeindruckend. Rund 90 Ehrenamtliche engagieren sich in elf Schichten und sorgen dafür, dass Spenden sortiert, aufbereitet und weitergegeben werden. Neue ehrenamtliche Helferinnen und Helfer sind weiterhin herzlich willkommen, um die Arbeit des Vereins zu unterstützen. Die Klingel am Hintereingang für Kleiderspenden steht nahezu nie still.
Gespendet werden neben Kleidung auch Bücher, Haushaltswaren und kleine Elektrogeräte. Humanitas arbeitet eng mit Schulen zusammen und bietet regelmäßig Praktikumsplätze an, um jungen Menschen Einblicke in soziales Engagement zu ermöglichen.
„Was hier geleistet wird, ist beeindruckend“, erklärte Michael Thews beim Rundgang. „Die Ehrenamtlichen halten den Betrieb am Laufen. Dieses Engagement verdient größten Respekt. Umso problematischer ist es, wenn minderwertige Massenware diese Arbeit zusätzlich erschwert.“
Michael Thews betonte die strukturelle Dimension des Problems. „Das Geschäftsmodell von Ultra-Fast-Fashion basiert auf sehr niedrigen Preisen und kurzer Nutzungsdauer. Die ökologischen Kosten werden ausgelagert. Die sozialen Folgekosten landen dann bei Einrichtungen wie Humanitas. Wir müssen dringend darüber reden, wie wir die Flut von Billigware ohne Einhaltung EU-Standards aufhalten.“
Notwendig seien klare Vorgaben für langlebigere Produkte, bessere Recyclingstrukturen und mehr Verantwortung entlang der gesamten Lieferkette.
PM Büro Thews

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