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IHK-Umfrage: Pessimismus steigt – Top-Risiko: Fachkräftemangel – „Deutschland braucht mehr Willkommenskultur“

IHK-Umfrage: Pessimismus steigt – Top-Risiko: Fachkräftemangel – „Deutschland braucht mehr Willkommenskultur“

Gebäude der IHK zu Dortmund - Foto IHK

Fachkräftemangel, sinkende Nachfrage, hohe Energiekosten: Unternehmen zeigen sich deutlich pessimistischer:

 Der Fachkräftemangel wird zum größten Risiko für die Unternehmen im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der Konjunkturumfrage, die am 20. Oktober 2023 vorgestellt wurde.

Die Unternehmen leiden darüber hinaus unter einer nur langsam abflachenden Inflation, einer sinkenden Nachfrage im In- und Ausland und beklagen die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Zugleich schätzen die Unternehmen das Risiko steigender Rohstoff- und Energiepreise deutlich geringer ein als noch zu Jahresbeginn. Die Konjunkturumfrage der IHK zu Dortmund stützt sich auf Antworten von 137 Unternehmen mit über 22.000 Beschäftigten. 

 Der Fachkräftemangel macht den meisten Befragten zu schaffen: 65 Prozent der Unternehmen sehen sich hier herausgefordert. Tatsächlich können 46 Prozent der Unternehmen derzeit offene Stellen längerfristig nicht besetzen.

Insbesondere werden Arbeitskräfte mit abgeschlossener dualer Ausbildung gesucht, 52 Prozent der Unternehmen können offene Stellen mit dieser Qualifikation nicht besetzen. 72 Prozent der Unternehmen erwarten diesen Mangel in Zukunft nur durch Mehrbelastung ihrer jetzigen Belegschaft ausgleichen zu können. Folgerichtig erwarten deshalb 77 Prozent auch steigende Arbeitskosten.  

Auch das Risiko hoher Energie- und Rohstoffpreise bereitet den Unternehmen weiterhin Kopfzerbrechen, auch wenn hier der Wert von 74 auf 59 Prozent gesunken ist. Besonders die Industrie ist, bedingt durch ihre Rohstoff- und Energieintensität, mit einem Wert von 74 Prozent stark betroffen.

Sorge bereiten den Unternehmen auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Im Vergleich zum Jahresbeginn bewerten 61 Prozent der Befragten diese als großes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens. Das sind 11 Prozentpunkte mehr als im Februar 2023.

Deutliche Bewegung gab es auch bei der Einschätzung von Finanzierungsrisiken: Hier stieg der Wert von acht auf 21 Prozent. 

 Veränderung gab es auch bei der Einschätzung der Geschäftslage.

Nur noch 24 Prozent der Unternehmen bewerten diese als gut – nach 39 Prozent in der vorangegangenen Befragung.

Bemerkenswerter ist allerdings, dass mittlerweile 19 Prozent der Befragten ihre Geschäftslage als schlecht einschätzen.

Im Februar waren es gerade einmal 13 Prozent. Auch bei der erwarteten Geschäftslage lässt sich erkennen, dass die Unternehmen pessimistischer in die Zukunft blicken. Nur noch 12 Prozent erwarten eine gute Geschäftslage (vormals 17 Prozent). 29 Prozent fürchten eine schlechte Geschäftslage (vormals 27 Prozent).  

Der Umfrage zufolge ist der IHK-Konjunkturklimaindex, der Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung, um sechs auf insgesamt 95 Punkte gefallen. Damit ist der Wert auf einem ähnlichen Niveau wie im ersten Corona-Herbst 2020 (96), allerdings noch immer weit entfernt vom Negativrekord (77) im Herbst 2022. 

 „Fachkräftemangel wird noch weiter zunehmen“ 

 „Die Ergebnisse unserer aktuellen Umfrage decken sich mit denen zahlreicher anderer:

Die Unternehmen in unserer Region blicken deutlich pessimistischer in die Zukunft, weil die nötigen politischen Signale fehlen, die aktuelle Situation zu verbessern“,

sagt Heinz-Herbert Dustmann, Präsident der IHK zu Dortmund. „Und sie rücken wieder ein Thema in den Fokus, das uns in den kommenden Jahren noch viel stärker beschäftigen wird: den zunehmenden Mangel an Fach- und Arbeitskräften. Die Inflation tut ihr Übriges und sorgt dafür, dass sich die Menschen in Kaufzurückhaltung üben. Das macht sich vor allem bei Handel und Dienstleistungen bemerkbar.“ 

 Aber es gebe auch gute Nachrichten, so Dustmann weiter. „Die Angst vor weiter steigenden Energiepreisen treibt deutlich weniger Unternehmen um.“ Hier zeigten die von der Bundesregierung angeschobenen Maßnahmen zur Versorgungssicherheit weiterhin Wirkung, sagt der IHK-Präsident. „Den Unternehmen machen aber die Finanzierung von Investitionen sowie die steigenden Zinsen Sorgen.“ 

 „In Deutschland muss mehr für die Willkommenskultur getan werden.“ 

 Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund, bewertet die Ergebnisse des aktuellen Konjunkturumfrage als klares Signal, dass die Politik jetzt handeln muss: „Deutschland droht den Anschluss bei der wirtschaftlichen Entwicklung im europäischen Vergleich zu verlieren.

Den Unternehmen reißt allmählich der Geduldsfaden.“ Es werde viel versprochen, aber wenig gehalten, so Schreiber.

„Der Abbau bürokratischer Hürden geht nicht voran und es mangelt an allen Ecken und Enden an Verlässlichkeit.“ 

 Um zum Beispiel den Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen, müsse in Deutschland mehr für die Willkommenskultur getan werden und Hürden abgebaut werden. „Nur so können unsere Unternehmen ausländische Fach- und Arbeitskräfte leichter anwerben und zum Bleiben überreden sowie Geflüchtete schneller in den Betrieben integrieren“, so Schreiber weiter.

Hinzu komme die Gefahr weiter steigender kommunaler Steuern und Abgaben wegen klammer städtischer Kassen. Schreiber: „Ideale Rahmenbedingungen sehen anders aus.“ 

Quelle PM IHK zu Dortmund

 

Kommentare

WORDPRESS: 1
  • St. Gremling vor 7 Monaten

    Das Deutschland durch den demografischen Wandel ein Arbeits- Fachkräfte Problem haben wird wurde uns schon vor 30 Jahren an der Alterspyramide aufgezeigt, diskutiert und erste Forderungen an die Politik gestellt.
    Keine der Regierungen, vor allem Rückschritt Merkel, hat sich der Thematik angenommen.

    Zwischenzeitlich sind wir als Einwanderungsland für qualifizierte Fachkräfte uninteressant.
    Weltweit die höchsten Steuern, die höchsten Energiekosten ebenso. Wohnraum knapp und überteuert durch unnötige Bau-Auflagen.
    Einwanderungshürden sind selbst durch das neu beschlossene Punktesystem immer noch zu hoch.

    Qualifikationen, Studienabschlüsse, Berufserfahrung „echter“ Kriegsflüchtlinge die Arbeit aufnehmen und in ihren erlernten Berufen arbeiten möchten werden nicht anerkannt durch bürokratische Auflagen die oftmals auch nicht auszuräumen sind.

    Die Rot / Grünen Tagträumer meinen immer noch dass die 18 bis 27jährigen aus den Maghreb Staaten in Arbeit zu bringen sind.
    Die Realität ist an den aktuellen Statistiken abzulesen.

    Im Niedriglohnbereich (und nicht nur da) schafft das Bürgernurnichtarbeitengeld ein restliches.
    Eine Familie mit 2 Kindern, 900Euro Miete, 250Euro Energiekosten monatlich müsste 3700Euro Netto in der Lohntüte haben um das Bürgergeld auszugleichen. Wer überlegt da noch?

    Aber die Hampel Regierung ist immer noch so blasiert und der Meinung gute Arbeit zu leisten und das Beste “Einwanderungsgesetzt“ der Welt zu haben.

    Träumt alle schön weiter.