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Sicherheit in Kamen: „Stimmung droht zu kippen“ – Lesermeinungen und Forderungen der Politik

Sicherheit in Kamen: „Stimmung droht zu kippen“ –  Lesermeinungen und Forderungen der Politik

Seit 2017 sind die schwindende Sicherheit und das wachsende Unwohlsein der Bürger in der Kamener City immer wieder Thema – jetzt „droht die Stimmung zu kippen“, stellt ein langjähriger Anwohner und Beobachter der Entwicklung alarmiert fest.

Er spricht für praktisch alle, die sich in Kommentaren zu unseren jüngsten Artikeln über Pöbeleien, Bedrohungen und Belästigungen in der Kamener Innenstadt zu Wort gemeldet haben.

Und auch die Vorsitzenden der beiden größten im Rat vertretenen Parteien, SPD und CDU, zeigen sich in von unserer Redaktion erbetenen Stellungnahmen alarmiert über die Abwärtsspirale und fordern unisono ordnungsrechtliche Maßnahmen: Die CDU schlägt in diesem Zusammenhang auch eine Videoüberwachung des Marktplatzes vor.

Stimmen unserer Leser

Bibi B.:

„Ich kann und will einfach nicht verstehen, warum es immer nur bei leeren Versprechen bleibt und nur tatenlos zugesehen wird.

Sind wir Bürger der Stadt hier nichts mehr wert? Soll man mit uns einfach machen können, was man will?

Warum hilft denn niemand???

Ich will hier weg, unbedingt. Nach 40 Jahren, die ich hier nun wohne (und bisher „gelebt“ habe), mag ich mich nun einfach nicht mehr einsperren (lassen) und bin bereit, meine Wurzeln zu verlassen.

Schade drum, meine ganze Vergangenheit steckt in dieser Stadt, meine Zukunft sehe ich hier aber leider nicht mehr.“

Nadine B.:

„Es wird nicht mehr lange dauern und es werden weitere Geschäfte und tolle Gastronomen den Rückzug antreten!

Wenn man keine Möglichkeit hat, in Ruhe seinen Feierabend in einer Gastro zu genießen und als Frau massiv belästigt wird, hat die Stadt mehr als nur ein Problem.

Hier spreche ich von Versagen!

Ich bin aus Angst nur noch Nachmittags in der Innenstadt und habe noch nie die Polizei dort gesehen.Das Ordnungsamt verteilt weiter Knöllchen und ist dann nicht mehr zu sehen.

Das läuft etwas ganz gehörig falsch, die Verantwortlichen schlafen und die anderen Randalieren weiter.“

Sebastian E.:

„Ich bekomme verstärkt seit diesem Jahr mit wie die Stimmung in Kamen zu kippen droht.

Leute jeden Alters meiden abends zunehmend den Marktplatz.

Sogar von selbstbewussten Teenagern höre ich diesbezüglich Kommentare, das es dort besonders abends zu krass ist.

Die Planungen bezüglich der Sicherheitskonzepte werden von jedermann belächelt und verhöhnt, und von der Kamener Polizei halten auch nur noch wenige, eigentlich niemand mehr etwas.

Ich selbst halte mich bei der Polizei zurück, da ich persönlich niemals schlechte Erfahrungen mit der Kamener Polizei gemacht habe.

War allerdings auch nie in einer Situation wo sie ich dringend brauchte. Außer vor knapp 13 Jahren als bei mir eingebrochen wurde. Da waren die recht kompetent.

Ich unterscheide normalerweise zwischen dem was fremde Leute bei Facebook kommentieren und dem was bekannte in Gesprächen von Angesicht zu Angesicht erzählen.

Doch was die Sicherheit in Kamen betrifft, und die Erfahrungen mit Gewalt, Bedrohungen, Kriminalität und dem Einsatz der Polizei, deckt sich das aktuell Eins zu Eins.

Ich selbst arbeite in Kamen Mitte, bin dort abends allerdings verschwunden, weil ich weiß wie es dort zugeht.

Auch wo Kamen sehr schöne Außengastronomien hat nutze ich diese selbst nicht.

Einfach weil ich nicht dort zu Abend essen möchte, wo vielleicht gleich zehn Meter weiter ein paar aufgebrachte Kerle einem anderen den Schädel eintreten wollen.

Wo mir ein Fußball auf den Teller fliegt oder sich neben mir ein Betrunkener erbricht oder irrsinnige Flüche in die Öffentlichkeit brüllt.

Ich bin ein sehr toleranter Mensch, doch in meiner knapp bemessenen Freizeit hat alles seine Grenzen. Laute Kinder, ein unangenehmer Gast, ein Rempler aus Versehen….. alles okay, alles ziviles Leben! Kein Thema.

Aber bei Wahn, Vollrausch, Provokation oder Gewalt hört meine Toleranz dann schnell auf.

Politik und Polizei würden sich vielleicht noch ein wenig Restvertrauen und Courage von den Bürgern zurückholen wenn sie offen und ehrlich eingestehen würden das wir gesellschaftlich vor großen Problemen stehen.

Das meist alles heruntergespielt und relativiert wird bringt steuerzahlende Bürger zunehmend auf die Palme.

Verständlich eigentlich, weil sie sich von Mitmenschen einschüchtern lassen müssen, von denen wohl eher die wenigsten Steuern oder Krankenkassenbeiträge zahlen.

Ich befürchte wenn da kein ehrlicher und ernstgemeinter Dialog zustande kommen wird, dann wird künftig wohl politisch wesentlich weiter rechts gewählt und die Leute werden nebenbei anfangen sich selber zu Recht zu verhelfen.

Und das könnte vielerorts sehr unsachlich zugehen.

Allein schon deshalb weil sich jene die sich Veränderungen wünschen auch nicht wirklich einig darüber sind wie die denn nun aussehen, und geschweige denn durchgesetzt werden sollen.

Da ich keinerlei Ahnung oder Idee habe wie das Problem mit dem steigenden Unfrieden zu lösen sein könnte, sehe ich schwarz für das künftige Leben in der Öffentlichkeit. Nicht nur in Kamen.

Halte mich raus, mache meine Arbeit und verschwinde. Und würde es mir jeder gleichtun, dann wäre in der Stadt bald gar nichts mehr geboten.

Die Politik steht vor Mammut-Aufgaben, und ich bin froh das ich kein Politiker bin der sich dem Dilemma stellen muss.“

 

 

Stellungnahmen der Politik

Für die größte Fraktion im Stadtrat, die SPD, schickte uns Fraktionsvorsitzender Daniel Heidler folgende Stellungnahme:

„Wir haben uns in den letzten Jahren immer wieder mit dem Thema Sicherheit auseinandergesetzt und aus der Ratspolitik auch Maßnahmen beschlossen.

Dazu gehört, dass wir jedes Jahr einen sechsstelligen Betrag für den zusätzlichen privaten Sicherheitsdienst bereitstellen und uns in der Politik über die Inhalte der Ordnungspartnerschaft mit der Polizei berichten lassen.

Auch haben wir zwischendurch die Kriterien für den Auftrag an den privaten Sicherheitsdienst präzisiert, um dort mehr Qualität zu bekommen.

Aber, ja diese Maßnahmen haben nicht ausgereicht.

Die Jahre 20 und 21 waren aufgrund von Corona in Punkto Sicherheit ruhiger, aber jetzt hat es sich erneut verschärft, weshalb wir mit unserem Antrag zur Verschärfung des Bußgeldkataloges auch ein Zeichen setzen wollten.

Wir werden aus meiner Sicht auch nicht umhinkommen, den städtischen Ordnungsdienst mit dem nächsten Haushalt personell zu stärken, um die neue ordnungsrechtliche Verfügung auch konsequent umzusetzen.

Verschlechtert hat sich die Situation aber auch dadurch, dass ein weiterer Kiosk in der Innenstadt eröffnet hat. Dieser lockt offensichtlich auch ein bestimmtes Klientel an.

Ich habe in der Ratssitzung deshalb auch an die Vermieter der Innenstadtlokale appelliert, bei Vermietungen auch an die möglichen Auswirkungen einer Vermietung zu denken und auch die Wirtschaftsförderung aufgefordert mit den Vermietern nochmal den Kontakt zu suchen.

Aber, in privatwirtschaftliche Verträge können wir natürlich nicht eingreifen.

Insgesamt werden wir mit städtischen Maßnahmen alleine das Problem aber auch nicht lösen.

Wir brauchen auch eine starke Polizeipräsenz und eine konsequente Strafverfolgung.

Aber auch hier kann ich nur appellieren. Das das Land NRW hat die Polizei in der Fläche ausgedünnt. Dies war ein Fehler und muss dringend korrigiert werden.

Aus der Kamener Polizeiwache wird u.a. auch die gesamte Stadt Bergkamen mit betreut.Das geht aus meiner Sicht nicht. Jede Stadt braucht eine eigene Polizeiwache, um zügig vor Ort zu sein.

Und eines bleibt mir ebenfalls wichtig. Jeder, der eine Straftat, eine strafbare Handlung oder eine vermeintliche Straftat beobachtet muss die Polizei rufen und Anzeige erstatten. Nur dann kann überhaupt gehandelt werden.

Niemand darf wegschauen.

Insgesamt ist aber klar, wir müssen etwas erreichen, sonst waren alle anderen Maßnahmen und Anträge zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt umsonst.

Aber, ich habe auch nicht die eine Lösung, die ab morgen alles besser macht. Wir müssen dran bleiben.“

Die CDU würde mit einem gezielteren Vorgehen gegen die Umstände auf dem Alten Markt und die Sicherheitslage in der Innenstadt vorgehen, erklärt Ralf Eisenhardt, CDU- Stadtverbandsvorsitzender.

Eisenhardt liegt eine Sprachnachricht vor, in der eine Frau schildert, dass sie sich in Kamen sehr unwohl und täglich durch die Situation beeinträchtigt fühlt. Viele Berichte sind davon zu vernehmen.

Die CDU sei mit der Situationsbearbeitung nicht zufrieden. Viel zu lange schon schiebe die Stadt Kamen das Problem bereits vor sich her.

Aus Sicht der CDU muss mehr getan werden für die Sicherheit in Kamen, erklärt Eisenhardt.

Dazu gehöre mehr Personal in der Stadtverwaltung. Auch müsse das vorhandene Personal ordnungspolitisch schärfer durchgreifen.

Die CDU hatte in Ihrem Programm zur Kommunalwahl das Thema bereits aufgegriffen. Sie forderte eine bessere Zusammenarbeit aller an der Sicherheit arbeitenden Stellen und Behörden, Ornungsmaßnahmen konsequenter umzusetzen und die Gründe für das Gefühl der Unsicherheit in Kamen konsequent abzubauen.

Eisenhardt erklärt, wie sich die CDU vorstellen kann, das zu erreichen.

Für die CDU gehört der Ordnungsdienst besser ausgestattet. Es muss mehr Personal her, ggf. auch in Schichten gearbeitet werden.

Zudem muss eine andere, bessere und auf Ordnungsdienste passende Ausstattung her. Gekennzeichnete Fahrzeuge sowie Bekleidung und Ausrüstung, die auch einen Ordnungsdienst erkennen lassen.

Dazu kann sich die CDU auch die Überwachung des Alten Marktes mit einem Kamerasystem vorstellen.

Ein Auslesen der Daten sollte nur dann erfolgen, wenn Vorfälle zu verzeichnen sind.

Leider sei das mit den anderen Parteien nicht zu machen, so Eisenhardt.

„Zudem müssen die möglichen Maßnahmen der Ordnungssatzung auch umgesetzt werden. Platzverweise und das Unterbinden von Drogenumschlag und Alkoholkonsum, der in der Nähe der Kioske stattfindet. Auch auf die Gefahr hin, dass sich das Problem zunächst örtlich verlagert, muss eingegriffen werden.“

Die Idee, eine Kinderspielzone einzurichten, will die CDU nicht als unsinnige Maßnahme bezeichnen. Es gibt jedoch erhebliche Bedenken, ob das die Lösung des Problems ist.

Für die CDU muss die Innenstadt von Kamen, gerade für Krawallmacher, die von außerhalb nach Kamen kommen, unattraktiv werden.

Die CDU bezweifelt auch, dass der private Ordnungsdienst hier angemessen für die Bearbeitung der Situation ist.

Eisenhardt sagt:

Wir hören viel zuviel Kritik, wie dieser Sicherheitsdienst operativ tätig ist.“

Eisenhardt liegt eine Sprachnachricht vor, in der eine Frau schildert, dass sie sich in Kamen sehr unwohl und täglich durch die Situation beeinträchtigt fühlt. Viele Berichte sind

„Die Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung im Innenstadtbereich muss härter und konsequenter im Rathaus bearbeitet werden“, so der CDU-Chef. Dafür stehe die CDU in Kamen.

Quellen: Angefragte Pressemitteilungen von CDU und SPD Kamen

 

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