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(Zu) schnell und schwer – „Viele haben ihr E-Bike nicht unter Kontrolle“: Drastisch mehr Unfälle und Todesopfer

(Zu) schnell und schwer – „Viele haben ihr E-Bike nicht unter Kontrolle“: Drastisch mehr Unfälle und Todesopfer

E-Bikes - Symbolbild, Archiv

Immer mehr Menschen sind mit dem E-Bike unterwegs und verletzen sich dabei – sehr häufig schwerer als mit dem Fahrrad.

Fast 2 Millionen Elektroräder wurden 2020 in Deutschland verkauft, rund 40 Prozent aller Fahrräder. Damit rollen nun mehr als 7 Millionen E-Bikes durchs Land.

Parallel steigt bereits seit 2014 auch die Zahl der Unfälle an. Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) belegen, dass Unfälle mit Pedelecs häufig auch schwerwiegendere Folgen als solche mit Fahrrädern ohne Hilfsmotoren.

„Höheres Tempo und Gewicht führen bei Älteren und Neueinsteigern oft zu schweren Unfällen. So stieg die Zahl der tödlich verunglückten Pedelec-Fahrer 2021 um 22,1 Prozent – bei den klassischen Fahrradfahrern sank sie um 14,2 Prozent.“

Die Unfallfolgen der Radfahrergruppen vergleicht jetzt das Überregionale Traumazentrum Oldenburg in einer Studie, die medizinische Unfalldaten von 223 Fahrradfahrern umfasst, davon 59 E-Biker.

„Bei Unfällen werden E-Biker signifikant im Bereich der oberen Extremitäten schwerer verletzt als Radfahrer“,

heißt es in den Ergebnissen der Studie.

  • Fast doppelt so oft erlitten sie Brüche des Ober- oder Unterarms, des Handgelenks oder der Hand.
  • Sie mussten häufiger operiert werden und auf die Intensivstation.
  • Und: Viele verunglückte Pedelec-Fahrer waren vorerkrankt. Sie nahmen dreimal häufiger Antikoagulanzien ein – Blutverdünner, die bei einem Kopfanprall schwerwiegende Blutungen begünstigen können.

Ein Hinweis, dass vor allem Ältere das E-Bike nutzen: In der Studie waren Pedelec-Fahrer mit fast 63 Jahren durchschnittlich 15 Jahre älter als verunglückte Fahrradfahrer.

Laut dem Statistischen Bundesamt ist auch die Zahl der Todesopfer bei E-Bike-Unfällen drastisch gestiegen. 2014 kamen deutschlandweit 39 Pedelecfahrer ums Leben – 2021 waren es bereits 131.

„Unfälle mit einem E-Bike oder Elektrofahrrad enden häufiger tödlich als bei einem normalen Rad. Bei 1.000 Pedelec-Unfällen mit Personenschaden kamen im Schnitt 7,6 Fahrer ums Leben. Im Jahr 2014 waren es sogar noch 17,4 Todesfälle gewesen. Bei den Radfahrern starben 2021 dagegen nur 3,5 Menschen pro 1.000 Unfällen“, 

heißt es in der Analyse.

Dabei steigen auch immer mehr Jüngere auf das Elektrofahrrad: War 2014 noch mehr als die Hälfte der mit einem Pedelec Verunglückten 65 Jahre oder älter (54,5 Prozent), ist dieser Wert auf nur noch ein Drittel gesunken (33,5 Prozent). Im Gegenzug ist der Anteil der jüngeren Unfallopfer gestiegen: War 2014 noch mehr als jeder Zehnte (10,7 Prozent) unter 45 Jahren, war es im vergangenen Jahr bereits mehr als jeder Vierte (27,8 Prozent).

Herkömmliches Fahrrad – Archivbild AaH

Was sind die Unfallursachen?

Zu den Ursachen der vielen schweren E-Bike-Unfälle zitiert die AutoBild einen Unfallforscher der Versicherer:

„Viele E-Biker haben ihr Fahrzeug nicht unter Kontrolle.“

  • Wegen Akku und Motor wiege ein E-Bike locker bis zu 10 kg mehr als ein normales Fahrrad.
  • Ein hoher Batteriesitz sorge zusätzlich für einen ungünstigen Schwerpunkt: Das erschwere das Handling etwa bei einer Notbremsung.
  • Laut dem Verkehrssicherheitsreport der Prüfgesellschaft DEKRA waren 2019 mehr als ein Drittel (37 Prozent) der tödlichen Unfälle von Fahrradfahrern in der Stadt  Alleinunfälle – also ohne Beteiligung anderer.
  • Als Hauptgrund nannten die DEKRA-Experten Selbstüberschätzung und mangelnde Fahrkenntnis.
  • Bei generellen Unfällen mit Pedelecs sind 30 Prozent Alleinunfälle, bei unmotorisierten Radlern nur 19 Prozent.

„Jeder dritte Radverkehrstote ist ein Pedelec-Fahrer, obwohl das Verhältnis Pedelecs zu Normalrädern bei 1:10 liegt.“

Was schlagen Experten vor?

Ein Experte der DEKRA-Unfallforschung rät, die Motorleistung von E-Bikes für Anfänger zu reduzieren und einen freiwilligen Lernmodus einzuführen. Man könne bei etwa 15 oder 20 km/h abregeln, bis genügend Erfahrungen gesammelt wurden.

Auch der Handel sieht Unfallgefahren, besonders für Senioren, die oft teure E-Bikes kaufen.

„Spezielle Fahrtrainings und eine ausgiebige Kaufberatung beim Fachhändler inklusive Probefahrt sind der Grundstein für sicheres Fahren“,

betont etwa die Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft (ZEG).

Andere Unfallforscher gehen noch weiter und fordern, die Endgeschwindigkeit der E-Bikes an die Tretkraft zu koppeln: Wer nicht genug Muskelkraft hat, solle auch langsamer fahren.

 

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