„Es fehlt einfach das Interesse an einem solchen Angebot.“
Tanja Schröder, Noch-Inhaberin des Fröndenberger Unverpackt-Ladens, zog am Dienstagabend (2. 11.) ganz sachlich Bilanz. Am Schaufenster des Geschäfts am Bruayplatz quer gegenüber Aldi prangt: „Ausverkauf“.
Ja, nickte Tanja Schröder auf Nachfrage unserer Redaktion im Laden, „ich habe lange überlegt, aber es rentiert sich einfach nicht.“
Verpackungsmüll vermeiden – das beginnt beim Einkaufen. Entsprechend freudig begrüßte Bürgermeister Sabina Müller Mitte April vorigen Jahres einen Neuzugang in der Geschäftswelt: Fröndenbergs ersten „Nackt und Unverpackt-Laden“.
Optimistisch und voller Tatendrang waren Delia Mols und ihre Geschäftspartnerin Tanja Schröder vor anderthalb Jahren neben dem Sonnenstudio am Bruayplatz an den Start gegangen. Als Starthilfe bot ihnen die Stadtverwaltung eine vergünstigte Ladenmiete über eine Landesförderung für lebendige Innenstädte.
Denn, so begründete Bürgermeisterin Müller bei ihrer Begrüßung der beiden Gründerinnen die Zuhilfenahme der Landesförderung:
„Fröndenberg braucht eine lebendige, attraktive Innenstadt. Dafür haben wir den Marktplatz umgebaut und gestalten gerade den Bruayplatz neu. Mit ihrem Unverpackt-Laden planen Frau Schröder und Frau Mols ein modernes Angebot und bringen frischen Wind nach Fröndenberg! Ich freue mich daher sehr, ihnen den Start mit Hilfe der Landesförderung zu erleichtern.“
Die beiden frischgebackenen Mieterinnen blickten ihrem Start in Fröndenberg mit großer Lust entgegen:
„Unsere Kunden können mit ihrem Einkauf in unserem „Nackt-und-Unverpackt“-Laden aktiv Verpackungsmüll vermeiden. Wir wagen einen ganz neuen Anfang und gehen dieses Risiko ein, weil wir ganz praktisch zum Schutz der Umwelt und des Klimas beitragen wollen und hoffen, dass ganz viele Fröndenberger ebenso denken!“
Leider hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt. Die Fröndenberger, bilanziert Tanja Schröder, die das Geschäft seit dem Ausstieg ihrer Mitgründerin allein betreibt, „interessieren sich nicht für unser Angebot.“
Die Quereinsteigerin in den Einzelhandel sagt das ohne Bitterkeit, macht das Desinteresse auch nicht an Fröndenberg fest.
„Andere Unverpackt-Läden haben sogar noch schneller wieder aufgegeben. Das Bewusstsein für ein solches Angebot fehlt. Es ist zumindest nicht in dem Maße da, das nötig wäre, um einen solchen Laden gewinnbringend zu betreiben. Wenn ein solcher Laden in einem größeren Einkaufszentrum angesiedelt wäre, wären die Chancen größer. Aber so laufen die Menschen vorbei.“
Und natürlich, das weiß auch Tanja Schröder, „ist es für viele auch eine Kostenfrage. Gerade jetzt, wo alles sowieso so viel teurer geworden ist, scheuen sich die Leute erst recht, mehr auszugeben als unbedingt nötig – und viele können auch nicht mehr ausgeben.“
Tanja Schröder will ihren Unverpacktladen am Nikolaustag, dem 6. Dezember, schließen. Bis dahin hofft sie, dass ihr die Fröndenberger noch viele reduzierte Waren im Ausverkauf abnehmen.
Auch Mobiliar steht zum Verkauf: „Ich freue mich über jedes Stück, das noch Abnehmer findet“, sagt die Geschäftsinhaberin.
Für sie selbst wird nach dem 6. Dezember nicht Schluss mit dem Fröndenberger Einzelhandel sein: Tanja Schröder steigt in „Susannes Lädchen“ an der Alleestraße ein und hat dort, das freut sie, auch wieder mit nachhaltig verpackten Spezialitäten zu tun: Likören, Spirituosen, zahlreichen lose angebotenen köstlichen Teesorten.
„Darauf freue ich mich schon“, blickt sie zuversichtlich nach vorn. Den Mietvertrag für den Unverpackt-Laden hat sie fristgerecht gekündigt.





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[…] Neueröffnungen gibt es keine stadtscharfen Zahlen, nicht geklappt hat es beispielsweise beim Unverpackt-Laden in Fröndenberg, der nach anderthalb Jahren wieder […]
[…] dem Sonnenstudio steht unter keinem guten Stern. Schon der Vorgänger des „Bassam“, Fröndenbergs erster Unverpackt-Laden, gab nach eineinhalb Jahren wieder auf, weil das Interesse der Kunden in der 21.000-Einwohner-Kleinstadt […]